Förderverein "Freunde des Merneser Wasserwerks" e.V.

Ist das Merneser Industriedenkmal noch zu retten?

 

Fragt man Willi Arnold aus Mernes, wie es um das Wasserwerk bestellt ist, wird er traurig. Kommt man auf die Vergangenheit zu sprechen, beginnen seine Augen zu leuchten. Willi Arnold ist achtundneunzig Jahre alt, genauso alt wie der Vertrag, den die Gemeinde Mernes im Jahre 1913 mit dem damaligen Reichs-Militärfiskus abgeschlossen hat. Der sollte seinerzeit garantieren, dass das Truppenlager hoch oben auf der Wegscheide zwischen dem Städtchen Bad Orb und dem Dorf Mernes mit frischem Wasser versorgt wird, und das bis "in alle Ewigkeit".

 

Dafür bekam die Gemeinde Mernes damals ein komplettes Wasserwerk auf ihren Grund und Boden gestellt. Selbstverständlich gehörte das dann auch mit allem Drum und Dran dem Reichs-Militär-Fiskus. Und der wiederum musste der Gemeinde Mernes an jedem neuen Tag, den Gott werden ließ, 200 Kubikmeter Wasser für ihre Bürger abgeben, ohne dass die dafür einen Pfennig bezahlen mussten. So steht das und noch einiges mehr im Vertrag, und so ist es bis heute geblieben.

 

Nun geht die Geschichte aber ihren eigenen Gang. Vieles hat sich geändert inzwischen: Das Truppenlager besteht längst nicht mehr, ebenso wenig wie der Reichs-Militär-Fiskus. Längst ist die Stadt Bad Orb in dessen Rechte und Pflichten eingetreten, weil ihr ja das Gelände auf der Wegscheide seit langem gehört, und auf dem Gelände selbst unterhält eine "Stiftung Wegscheide" der Stadt Frankfurt ein viel geliebtes Jugenddorf, ihr Schullandheim.

 

Nur der Wasservertrag aus dem Jahre 1913, der besteht und besteht.

 

Und den eben hat heute die Stadt Bad Orb auch "am Bein", was ihr gar nicht gefällt, weil die daraus entstehenden Kosten die Einnahmen weit übersteigen. Ein Dilemma, aus dem sich z.Zt. kein brauchbarer Ausweg abzeichnet.

 

Und so steht heute in Mernes ein wunderschönes Gebäude, das jedem Besucher ob seiner ausgewogenen Proportionen sofort auffällt, neben einem ebenso schönen, aber leider fast völlig verfallenen Wohn- und Dienstgebäude. Beide, Maschinenhalle und "Pumpenwärterhaus", in ihrem jetzigen Zustand Zeugen einer profitorientierten Zeit - und eines verantwortungslosen Verhaltens gegenüber einem anvertrauten Gut ganz besonderer Art.

 

Die Merneser wissen darum denn sie sind mit ihrem Wasserwerk groß geworden, und wenn man Willi Arnold fragt, kann er nicht verstehen, warum sich ein Schmuckstück, das noch vor wenigen Jahren in tadellosem Zustand von den heutigen Betreibern übernommen worden ist, derart den Zerstörungskräften der Natur ausgeliefert findet. Inzwischen präsentiert es sich weder in baulich auch nur einigermaßen ansehnlichem Zustand , noch genügt es den geringsten hygienischen Ansprüchen. Dächer sind undicht bis völlig zerfallen, Fensterscheiben zerbrochen, ihre Rahmen und die Türen von der Farbe völlig entblößt, und da wo früher ein stabiler Zaun und ein intaktes Tor das Gelände vor fremdem Zugriff schützten haben, wuchern Unkraut und wildes Gras, die von den längst zusammengebrochenen Sicherheitsanlagen Besitz ergriffen und sie zugrunde gerichtet haben.

 

Gewiss, die Verhältnisse sind kompliziert, und eine Lösung, die allen Ansprüchen gerecht wird, ist schwer zu finden. Und doch muss es einen Weg geben, der uns hilft, den augenblicklichen Bestand soweit abzusichern, dass die Anlage nicht völlig und unwiederbringlich verfällt.

 

Wie kann so etwas bloß passieren? - Welche Gründe auch dahinter gestanden haben mögen, seien es Unverstand, Nachlässigkeit, falsch verstandene Sparsamkeit oder was auch immer. Das jedenfalls ist schon geschehen: Vor noch gar nicht allzu langer Zeit verfügte das Wasserwerk noch über zwei völlig intakte eindrucksvolle Pump-anlagen aus seiner Entstehungszeit. Unerklärlich bleibt, dass unter den Augen der Verantwortlichen eines Tages die eine Anlage bei Nacht und Nebel verschwunden ist.

 

Und das wunderschöne ebenso denkmalgeschützte Wohnhaus , dessen Ruine man heute betrachten kann, war bis zum Jahre 1977 an eine ortsansässige Firma und Arbeitgeberin vermietet. Ihr hat die "Stiftung Frankfurter Schullandheim Wegscheide" unter dem Vorwand von Eigennutzungsansprüchen den Mietvertrag zunächst zum 30.04.1977 und dann schließlich nach massiven Einsprüchen des Mieters endgültig zum 31.12.1977 gekündigt. Nie wieder sah man seitdem, weit über dreißig Jahre lang Leben im Haus, nie wieder auch sahen sich weder Pächter noch Eigentümer gefordert, auch nur die geringste Anstrengung zu seiner Erhaltung zu unternehmen, nie wieder hat sich jemand darum gekümmert.

 

Ja, die Verhältnisse sind kompliziert: Eigentümerin der Anlage ist die Stadt Bad Orb. Alleinige Nutznießerin der Wasserförderung ist aufgrund eines alten Vertrages das Dorf Mernes und seine Bewohner, denen Bad Orb täglich 200 Kubikmeter Wasser kostenfrei in das dörfliche Netz pumpen muss. Dass zum augenblicklichen Zeitpunkt die Stadt Frankfurt als Pächterin der Wasserförderungsanlage im Zusammenhang mit der Wasserversorgung des Schuldorfs Wegscheide in die Pflichten eingetreten ist, macht die Sachlage keineswegs einfacher.

 

Der objektive Betrachter der Lage muss feststellen, dass die Stadt Bad Orb nicht das geringste Interesse an diesem kostspieligen Erbe haben kann, das sie aber auch nicht los wird. Und so tut die Stadt angesichts solcher Engpässe das einzige, was ihr übrig bleibt, nämlich nichts, d.h. kaum noch das Allernotwendigste, um sich keine Versäumnisvorwürfe einzuhandeln.

 

Wer das Wasserwerk heute betritt, findet immer noch eine imposante Industriehalle vor, der man allerdings an allen Ecken und Enden ansieht, wie lästig sie ihrer Eigentümerin ist. Da hat man mitten in den Raum einen "zweckmäßigen" hässlichen Isolierkasten um die jetzt modernen elektrischen Versorgungspumpen gebaut, um sie im Winter gegen Frost zu schützen. Die inzwischen nicht mehr verwendete Einrichtungsgegenstände, Werkzeuge und Rohrleitungen rosten vor sich hin, und beginnende Undichtigkeiten am Dach hinterlassen die ersten Spuren an den Wänden. Ungenutzt und völlig verschmutz fristen die dermaleinst imponierende mächtige Pumpe und ihre Diesel-Antriebsmaschine ein trauriges Dasein.

 

Noch ist Zeit und Gelegenheit, einen großen Fehler zu vermeiden. Das geht aber nur, wenn alle Beteiligten sich bereit fänden, aufeinander zuzugehen, um für den Augenblick das Notwendigste in die Wege zu leiten und den Bestand zu retten. Nur wenn das geschieht, dürften das Spessartdorf Mernes und seine Bewohner vielleicht einmal stolz darauf sein, ein ganz ungewöhnliches Denkmal für einen sinnvollen Zweck bewahrt zu haben.

 

Freunde des IndustriedenkmalsMerneser Wasserwerk e.V.

Jürgen Eyding
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